Was genau ist "Fetisch"?

"Fetisch" leitet sich ab, von dem lateinischen Verb "facere" und dem französischen Wort "fetiche". "Facere" bedeutet hierbei das "Machen", wohingegen "Fetiche" den "Zauber" beschreibt. Für manche Menschen dreht es sich bei so einem Zauber aber nicht immer nur um den sexuellen Fetischismus, der zum Erreichen des Höhepunkts den Kontakt zum Fetisch voraussetzt. Einige Fetischisten werden dabei auch von Dingen oder Kleidungsstücken verzaubert, sofern sie sich auf eine ganz besondere Art und Weise dafür begeistern.


Das Phänomen des Fetischismus macht sich jedenfalls auf allen Kontinenten bei Männern wie bei Frauen bemerkbar.
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Was verbirgt sich hinter dem Begriff "Fetischismus"?


Leider wird der Begriff "Fetischismus" oft negativ bewertet, obwohl es sich dabei um eine äußerst spannende und unterhaltsame, menschliche Eigenheit handelt. Die Fixierung auf etwas ganz Spezielles, wie einen gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand oder ein alltägliches Kleidungsstück, ist bei jedem Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Erwachsene verspüren diese Neigung beispielsweise dann, wenn sie sich nur für einen ganz speziellen Autotyp begeistern können oder wenn es um Kleidung geht. Manche Leute möchten auch einfach immer wieder dieselbe Hose anziehen, weil sie sich damit am Besten fühlen.

Natürlich kann Fetisch aber auch entarten und ins krankhafte Verhalten übergehen. Doch die Grenzen sind hierbei fließend. Solange der Betreffende dabei nicht unter seiner Neigung leidet oder Andere durch seine Neigung zu Schaden kommen, ist Toleranz der Schlüssel zur Befreiung von falschen Vorstellungen, die eigenen Bedürfnisse betreffend.


Wie kommt ein "Fetisch" zustande?


In der Regel ist ein Fetisch mit Erinnerungen an längst vergangene Zeiten verbunden. Irgendein längst vergessenes Erlebnis, dass sich tief im Unterbewusstsein manifestierte, erlebt durch die Begegnung mit dem Fetisch eine Renaissance, über die sich der Fetischist allerdings nicht im Klaren ist. Das können sowohl negative als auch positive Erlebnisse gewesen sein. Dies zu erörtern gehört allerdings in den Arbeitsbereich eines erfahrenen Psychologen, der sich mit den Grundsätzen der Psychoanalyse befasst. Die wenigsten Fetischisten haben jedoch das Bedürfnis nach Ursachenforschung. Ihnen liegt viel mehr daran, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Zudem wird Fetischismus von den meisten Psychologen nicht mehr als therapiepflichtige Störung angesehen, sondern als Spielart menschlicher Sexualität. Nur in bestimmten Fällen brauchen Fetischisten wirklich Hilfe.


Neigungen des Fetischismus


Fetischismus ist eine stark auf das Ego abgestimmte Neigung. Hier finden Leute aller Art in einer globalen Vereinigung der außergewöhnlichen Vorlieben zueinander.

Bei Kleidungsstücken, die als Fetisch wahrgenommen werden, stehen Strümpfe, Schuhe und Dessous im Vordergrund. Danach folgen erst die Lederartikel mit Peitschen sowie enganliegenden Hosen und Röcken.

Ein weites Feld der Fetische stellen aber auch alle Gegenstände aus Gummi dar. Der Ganzkörperanzug aus Gummi ist hier zum Beispiel besonders beliebt, denn er verleiht dem Fetischist die Erinnerung an das Gefühl, das auf seine Entstehungsstadien zurück führt.

Viele Fetischisten bevorzugen wegen der starken Bezogenheit auf die orale und anale Entwicklungsphase auch Gegenstände, die man zur Pflege von Babies benötigt, wie Puder, Cremes, oder Windeln, die es ja auch für Erwachsene gibt, und natürlich Babyspielzeug.
Hin und wieder gehören jedoch auch einzelne Körperteile wie Haare, Füsse, die Hände und sogar Kunstglieder wie Prothesen sowie Perücken zu den Fetischobjekten.

Bei sexuell geprägtem Fetischismus spielen die Gegenstände eine wichtige Rolle, um die sexuelle Erregung zu entwickeln und zu steigern, um anschließend den Höhepunkt erleben zu können. Nicht selten findet man bei erektionsschwachen Männern eine ausgeprägte Vorliebe für bestimmte Fetische, die ihre Phantasie soweit anregen, dass sie erst dadurch zum Geschlechtsakt fähig sind. Anderen genügt es widerum, den von ihnen bestimmten Fetisch nur zu betrachten, um sexuelle Aktivität entwickeln zu können.

Natürlich gibt es auch Fetischisten, die keinen Gegenstand benötigen, sondern sich vorzugsweise an fremden Menschen reiben. Meist praktizieren sie dies in Bussen und Bahnen oder dort wo dichtes Menschengedrängel herrscht.

Einige Fetischisten werden auch von einem nicht mehr vorhandenen Glied angezogen, was sich bis hin zur sexuellen Erregung durch Verkrüppelung oder Amputation steigern kann.


Ausprägungen des Fetischismus


Fetischismus beinhaltet außer Sex aber auch noch stark religiöse Aspekte. Diese zeigen sich zum Beispiel im Tragen von Kettchen mit Kreuzanhänger, ohne das der Träger oder die Trägerin sich dabei unsicher fühlt. Genauso verhält es sich mit dem Tragen des Kopftuches, welches streng genommen auch nichts anderes als ein Fetisch ist.

In vielen Völkern, besonders den Naturvölkern, gelten Fetische desweiteren als Schutzsymbole für Haus und Hof. Andere Fetische werden widerum hergestellt, um Wünsche zu erfüllen. Schamanen arbeiten beispielsweise viel mit Fetischen, denn ihre Kunden werden so besser konditioniert, an die Kraft des Schamanen zu glauben. Dadurch wird sehr oft der Heilungsprozess, durch die Anregung der Selbstheilungskräfte, deutlich besser in Gang gesetzt.


Ursachen und Auftreten des Fetischismus


Über die Ursachen des Fetischismus gibt es verschiedene Theorien.

Beim Windelfetischismus wird zum Beispiel gemutmaßt, dass starke Liebesentbehrungen der Auslöser sind, oder die Eltern der Betroffenen ihre Kinder übertrieben früh zur Sauberkeit erzogen. Belege dafür gibt es jedoch nicht. Manchmal ist Fetischismus einfach das Symptom eines anderen psychischen Problems. Etwa, wenn ein Mensch große Schwierigkeiten bei sozialen Kontakten hat oder nicht zu einer festen Partnerschaft im Stande ist.
In diesem Fall behandeln Therapeuten primär dann aber nicht den Fetischismus, sondern die Beziehungsstörung.

Fetischismus tritt allerdings auch bei Sexualstraftätern auf. Das hängt oft damit zusammen, dass sie viel alleine sind. Umgekehrt bedeutet dies aber nicht, dass Fetischisten generell zu sexuellen Übergriffen neigen. Manche Patienten gehen auch nach der Lektüre veralteter Fachbücher noch immer verstört zum Psychiater, weil sie sich für abnormal halten.

Heutzutage sehen die meisten Psychotherapeuten Fetischismus aber nicht mehr als "pervers" an. Denn eine Paraphilie oder "krankhafte sexuelle Abweichung" liegt in den Augen der meisten Therapeuten nur dann vor, wenn bestimmte sexuelle Fantasien länger als sechs Monate immer wieder auftauchten und der Betroffene davon so gefangen genommen wird, dass sein soziales Leben nicht mehr funktioniert.


Schlusswort


Selbstbefriedigung mit realen oder fantasierten Fetischen ist für Viele einfach ein heilsames Mittel, um sich auf sexuellen "Fantasiereisen" vom Alltagsstress zu erholen.

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